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An dieser Stelle veröffentlichen
wir in loser Folge Artikel zu Themen,
für die in der Sendung kein Platz ist.


22.11.2004 | Ein Bericht zum Kinofest Lünen von Ralf Möller

Das deutsche Kino hat in diesem Jahr eine Qualität erreicht, die es schon ein paar Jahrzehnte nicht mehr hatte. Gleichzeitig mit der künstlerischen Güte wird das deutsche Kino auch vom Publikum angenommen. Auf mehr als 20 % konnte man den Marktanteil steigern.

Natürlich hauptsächlich durch die großen Erfolgen von „Traumschiff Periode 1" oder „Der Untergang". Aber auch in der Breite hat sich der deutsche Film etabliert. Das Kinofest in Lünen war immer schon eines der wenigen deutschen Festival, wo Produktionen aus dem eigenen Land im Vorder-grund standen. Auch im 15. Jahr hat man wieder eine interessante Palette heimischer Filmkunst geboten.


Im Mittelpunkt stand natürlich der Wettbewerb um die LÜDIA, den Filmpreis der Stadt Lünen. Ein Publikumspreis, um den sich elf recht unterschiedliche Filme stritten. Vielleicht war es etwas überraschend, dass „Bin ich sexy ?" von Katinka Feistl gewonnen hat. Eine kleine, nicht so prominent besetzte sympathische Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt die 15 Jährige lebenslustigen Mareike, die von Marie Louise Schramm gespielt wird, steht. Das pupertierende Mädchen liegt im permanenten Streit mit Mutter oder der kleinen naseweisen Schwester und muss gleichzeitig mit den Tücken des Heranwachsen fertig werden.

Auch Alice, die Hauptfigur des Eröffnungsfilm „En Garde" hat die Probleme der Pubertät zu meistern. Doch im Gegensatz zu Mareike ist sie eine recht introvertierte junge Frau, die ihre Umgebung kaum an sich herankommen lässt. Die Regisseurin Ayşe Polat verlässt sich leider zu sehr auf den traurigen Blick ihrer sehr gute Hauptdarstellerin Maria Kwiatkowski. Fast alle anderen Charaktere in dem Film bleiben nur Klischeefiguren, wie wir sie schon in unzähligen Filme gesehen haben. Eine sehr angenehme Überraschung und einer der Höhepunkte des Wettbewerbs war „Kammerflimmern", das Regiedebüt von Hendrik Hölzemann, der bisher nur als Drehbuchautor des unsäglichen Bejamin Quabeck Films „Nicht bereuen" in Erscheinung getreten war. Im Zentrum seines Filmes steht der Rettungsfahrer Crash, der als Junge bei einem Autounfall, den er selbst überlebt hat, seine Eltern verlor, und nun scheinbar die ganze Welt retten will, weil er seinen Eltern damals nicht helfen konnte. In seinen Träume sieht er immer wieder das Gesicht einer junge Frau, die er dann bei einem Einsatz kennen lernt. Ein brillant geschriebenes und inszeniertes Drama ist Regisseur und Autor Hölzemann mit „Kammerflimmern" gelungen. Dabei wird er von einem tollen Ensemble, allen voran die jungen Schauspielern wie Matthias Schweighöfer und Jessica Schwarz, unterstützt.

Seit 3 Jahren gibt es die Sektion „Meet your neighbours", wo das Festival einen kleinen Blick auf eines der Nachbarländer wirft. Diesmal hatte man sich das österreichische Kino ausgesucht. Eine ziemlich skurrile, aber auch unglaublich witzige Komödie ist „Nacktschnecken" von Michael Glagower. Drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, in Geldnöten bekommen das Angebot einen Porno in Eigenregie zu drehen. Also werden noch zwei Frauen engagiert und aufs Land gefahren, wo natürlich alles schief geht, was schief gehen kann. Die Schauspieler haben merklich Spaß an den absurden Situationen und den wunderbar amüsanten Dialogen. Auch Georg Friedrich ist großartig in einer Nebenrolle als herrlich schmieriger Zuhälter mit einem Autotick. Fast die gleiche Rolle spielt er auch in dem Drama „Hurensohn" von Michael Sturminger. Im Mittelpunkt steht aber Ozren, ein Junge aus dem ehemaligen Jugoslawien, der bei seiner Mutter Silvija in Wien groß wird. Silvija, die im horizontalen Gewerbe arbeitet, findet nie einen wirklichen Zugang zu dem Jungen und kompensiert ihre Unfähigkeit zur Liebe mit Geschenken für ihn. Sturminger’s Film ist eine sehr gelungene Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Sozialdrama.

Fotos:
oben: Stanislav Lisnic als Ozren in HURENSOHN © Filmladen Wien
unten: Michael Ostrowski Raimund Wallisch und Pia Hierzegger (v.links) in NACKTSCHNECKEN © Filmladen Wien

Für weitere Infos zum Kinofest Lünen folgen Sie einfach dem entsprechenden Link in unserer
Link-Sammlung.


17.09.2004 | Ein Bericht zum Oldenburger Filmfest von Ralf Möller

Vielleicht war es bezeichnend, dass der letzte Film des Festivals auch der Beste war. „La fidélité“ von Andrzej Zulawski war Schlusspunkt nicht nur eines sehr guten 11. Filmfestes in Oldenburg, sondern ist auch Schlusspunkt eines beeindruckenden filmischen Schaffens.

Für Zulawski, der in den 70er und 80er Jahren mit „Nachtblende“, „Possesion“ und „La femme publique“ große Erfolge in Europa feierte, ist „La fidélité“ sein persönlicher Abschiedsfilm, wie er selbst sagt. Seine moderne Adaption des französischen Romanklassikers „La Pricesse de Clèves“ von Madame de La Fayette ist jedoch nicht nur ein Abschied vom Filmemachen, es ist auch ein zärtlicher Abschied von der Beziehung mit Sophie Marceau mit der er nicht nur vier Spielfilme gemacht hat, sondern mit der er auch über ein Jahrzehnt liiert war. Doch „La fidélité“ ist auch so etwas wie die filmische Essenz des Gesamtwerk Zulawskis. Auf den 165 Minuten verdichtet der polnische Regisseur, dem in diesem Jahr die Retrospektive in Oldenburg gewidmet war; noch einmal die Themen; die sein Œuvre die letzten 30 Jahre bestimmt haben, die klassische Dreiecksgeschichte um Liebe, Hysterie und Vergänglichkeit.


Eigentlich hat man ja wirklich schon alles gesehen, so glaubt man. Doch „Elle est de notre“ Siegrid Alnoy Langfilmdebüt beweist das Gegenteil. Die Geschichte um die Sekretärin Christine (Sasha Andres), die einen Mord begeht um beruflich weiter zu kommen, scheint auf den ersten Blick recht banal. Doch die Art und Weise wie Alnoy den Film arrangiert hat, sucht seines Gleichen. Die Virtuosität der Inszenierung in Worte zu fassen fällt schwer, da diese ein brillantes Puzzelspiel auf Bild- und Tonebene ist.

Johnny Tos neuester Film „Breaking News“ ist dann auf den ersten Blick doch vergleichsweise konventioneller inszeniert. Als eher klassischer Polizeifilm angelegt, geht es um die Jagd der Polizei Hong Kongs auf eine Verbrecherbande. Auch wenn To in seinem brillanten Actionthriller Michael Mann und Brian DePalma zitiert, beweist er trotzdem wieder eindrucksvoll, dass die Asiaten zumindest im Moment Hollywood in diesem Genre klar den Rang ablaufen.

Drei Highlights eines an Höhepunkten nicht gerade armen Festivals.

Zum Schluss aber noch was kurzes: Der Film, der Inspiration für die Macher des Filmfest-Trailers war: Claude Lelouchs „C’était un rendevouz“

Neun Minuten rast der Regisseur durch das nächtliche Paris. Für ihn existieren keine roten Ampeln und keine Vorfahrtsregeln. Mit seinem gelben Ferrari 275/GTB donnert er mit Vollgas durch die engen Straßen der Seine-Metropole. Der Film – im August 1976 entstanden – ist eine Offenbarung für alle Fans der Geschwindigkeit. Ein Adrenalinrausch für die Ewigkeit.

Fotos:
Sophie Marceau als Cecilia in „La fidélité“ © Gémini Films
Sasha Andres als Christine in „Elle est de notre“ ©  Ad Vitam
Szene aus „Breaking News“ © Milky Way Image Co. Ltd.

Für weitere Infos zum Filmfest Oldenburg folgen Sie einfach dem entsprechenden Link in unserer
Link-Sammlung.

 
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